Berliner Blinden- und Sehbehindertensportverein von 1928 e.V.

Nachrichten

Blindenfußballturnier: Pokalendspiel in Neumünster

Am 26. Mai 2007 gegen 18:00 Uhr spielten Stuttgart und Marburg das Endspiel um den Pokal im ersten deutschen Blindenfußballturnier.

In der Endrundengruppe der ersten drei war der Sieg hart umkämpft. Im Blindenfußball darf man sich keine Blöße geben. Die Abwehrspieler nahmen das Tor in Schutz, und so endete das Spiel 0:0. Damit waren Marburg und Mainz die beiden Gruppenersten. Alle drei hatten gegeneinander unentschieden gespielt. Marburg und Mainz aber spielten 1:1. Unter ihnen wurde der Sieg mit Penaltischießen ermittelt. Marburg gewann 3:2 und durfte den Pokal von Neumünster mit nach Hause nehmen. Ein Wanderpokal übrigens, den es also bald wieder zu verteidigen gilt.

Der Lionsclub Neumünster organisierte ein Turnier mit über 100 Jugendmannschaften. Dann kam die Idee auf, zusammen mit der Blindenfußballabteilung des FC St. Pauli gleichzeitig auch Mannschaften von blinden Kickern einzuladen. "Lightkick" hieß das Event zugunsten blinder Kinder im Kongo.

Neun Teams aus den zehn deutschen Trainingsorten kamen nach Norddeutschland. In den Vorrundenspielen zeichneten sich die Turnierfavoriten Marburg, Mainz und Stuttgart ab. "Ich bin stolz auf euch" sagte der lachende Marburger Trainer Peter Gößmann nach dem 6-Meter-Schießen. "Unsere Trainingseinheiten haben sich gelohnt, aber wir müssen noch viel an uns arbeiten". Im Mittelfeld kämpften Dortmund, Essen und St. Pauli um die Platzierungen während Würzburg, Chemnitz und Berlin die hinteren Plätze unter sich ausmachten.

Die Spiele waren durch enormen Einsatz und Kampfgeist geprägt. Während alle Spielerinnen und Spieler schon gut mit dem rasselnden Ball zurecht kamen, zeigten sich auch wirkliche Talente, die es sicher auch mit der internationalen Konkurrenz schon aufnehmen können, die sich Ende September in Athen zur Europameisterschaft versammelt.

Genau ein Jahr nach dem Workshop und Turnier, mit dem Sozialverband Deutschland und DBSV Blindenfußball in Deutschland einführten, zeigten die blinden und sehbehinderten Sportler, dass ihr Fußball den Kinderschuhen bereits entwachsen ist. "Einfach weltklasse und wiederholenswert", jubelte Christian Draheim, der mit 27 Jahren älteste Spieler des sonst sehr jungen Marburger Teams.

Der DBSV wird nun weiter mit dem Deutschen Behindertensportverband daran arbeiten, dass die blinden Kicker bald zum Alltag der Behindertensportszene gehören. Maßnahmen zur Aufstellung einer Nationalmannschaft sind in Vorbereitung: Ein Cheftrainer wird bald ausgewählt und ein erster Leistungslehrgang ist geplant. Die deutschen Kicker sind jedenfalls schon ganz heiß auf die Europameisterschaft Ende September in Athen, bei der auch die ein bis zwei europäischen Teilnehmer an den Paralympics 2008 in Peking ermittelt werden. Die Aufgabe des DBSV wird es auch sein, den Frauenfußball weiter voranzubringen und auch für Sehbehinderte zu sprechen, die beim Blindenfußball mitspielen.

Blindenfußball wird zurzeit an zehn Orten in Deutschland trainiert. Eine Übersicht ist unter www.blindenfussball.net oder beim DBSV-Sozialreferenten Reiner Delgado erhältlich.

Und hier noch ein persönliches Statement vom BBSV-Verteidiger Reiner Delgado: "Die Aufregung vor dem ersten Spiel gegen Essen war groß bei uns allen. Das Spiel verlief aber doch relativ ruhig, und wir kassierten unglücklich ein Tor. Das sah gegen Stuttgart ganz anders aus. In meiner Position als zentraler Verteidiger war Alexander Fangmann mein direkter Kontrahend, vor dessen Schnelligkeit und Ballsicherheit ich wirklich den Hut ziehen muss. Mit 0:4 wurden wir denn auch in die Endrunde entlassen. Dort wollten wir gegen Würzburg und Chemnitz solider spielen und vor allem die Abwehr stabil halten. Gegen Chemnitz hatten wir gute Chancen. Wir trennten uns aber alle drei mit je 0:0, und wir Berliner Zecken landeten aufgrund der Vorrundenergebnisse auf dem letzten Platz. Das ganze Turnier war eine Supererfahrung. Wir haben alte Bekannte aus dem letzten Jahr wiedergesehen und neue kennengelernt. Vor allem haben wir viel gelernt, dass wir in unserem Training einbauen werden."

Zurück zur Übersicht