Berliner Blinden- und Sehbehindertensportverein von 1928 e.V.

Nachrichten 2007

Blindenfußball - Tournier in Marburg

Stuttgarter Kicker siegen souverän in Marburg - Hart umkämpft waren die Blindenfußballspiele beim Turnier Mitte Dezember in Marburg. Im Finale setzte sich der MTV Stuttgart klar gegen das Gastgeberteam von der SSG Blista Marburg durch.

Ungebremst breitet sich der neue Sport in Deutschland aus. An zehn Orten wird bereits trainiert. Weitere Teams sind im Aufbau. Die sieben Teams, die in Marburg auf Einladung der SSG und der Deutschen Blindenstudienanstalt an den Start gingen, zeigten nicht nur große Begeisterung beim Spiel, es wurde auch erbittert um jeden Ball gekämpft und viele Spieler verausgabten sich bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Im Spiel um Platz drei gab sich eine Spielgemeinschaft aus Essen und Berlin, die noch von Würzburger Spielern verstärkt wurde dem Team aus Dortmund Kirchderne geschlagen, gefolgt von Mainz, Chemnitz und Würzburg. Ich selbst spielte als einziger BBSV-Spieler zusammen mit dem Team aus Essen beim Turnier mit. Wir hatten uns schnell aufeinander eingespielt und vor allem der sehr gute Torwart Grischa Kraus überzeugte durch seine Sicherheit und gute Ansagen an die Defensivspieler. So waren wir bis ins Halbfinale auf dem Feld ungeschlagen. Dort mussten wir - nachdem wir gegen favorisierte Marburger und Mainzer unentschieden spielten und gegen Würzburg 1:0 gewonnen hatten - gegen Stuttgart nach einem 0:0 erst im 6-Meterschießen den Kürzeren ziehn und verloren das Spiel um Platz drei gegen Dortmund. Für diese beiden letzten Spiele mussten wir uns noch den Torwart und zwei Spieler aus Würzburg ausleihen, da Grischa Kraus mit einem Essener Spieler vorzeitig abreisen musste. Torsten Resa vom BBSV war beim Turnier ebenfalls aktiv. Er leitete als Schiedsrichterassistent zahlreiche Spiele mit. Obwohl es keinerlei gemeinsame Vorbereitung gab, klappte das Zusammenspiel erstaunlich gut. Das Zusammenspiel mit den Essenern und Würzburgern machte viel Spaß. Mit unseren Ergebnissen waren wir höchst zufrieden.

Das Turnier als erstes größeres Fußballereignis nach der Europameisterschaft im Herbst in Athen zeigte zwar, dass die deutschen Kicker noch einiges an Strategie und Ballbeherrschung aufholen müssen, um internationales Spielniveau zu erreichen, aber es wurde auch wieder klar, dass Deutschland auf einem guten Weg da hin ist. Nirgends in Europa spielen so viele blinde Menschen Fußball, und das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft. Spanien mit sieben, Frankreich mit vier und England mit drei Teams werden sich auf Konkurenz aus Deutschland einstellen müssen.

Am Rande des Marburger Turniers trafen die Teams unter Federführung des DBSV auch erste Absprachen für die erste Saison der Deutschen Blindenfußballliga, die schon im März starten soll und zusammen mit dem Deutschen Behindertensportverband und der Sepp-Herberger-Stiftung organisiert wird. Ein Seminar für Schiedsrichter brachte außerdem die ersten Regelfesten Unparteiischen für diesen Sport in Deutschland hervor, darunter auch Torsten Resa aus Berlin.

BBSV in den Medien

Im November 2007 stand der BBSV mit seinen Sportangeboten im Fokus des medialen Interesses. Den Anfang machten die Blindenfußballer, die am 7. November den KIKA zu Gast hatten. Entstanden ist ein Beitrag, der voraussichtlich im Frühjahr 2008 ausgestrahlt wird - wir werden an dieser Stelle auf den Sendetermin aufmerksam machen.
Am 16. November durften sich die BBSV-Torballer über Interesse an ihrer Sportart freuen, da die Tageszeitung taz ihnen einen Artikel widmete.

Louis-Braille-Cup in Borgsdorf

17.11.2007: Torball - Mit einer Damen- und einer Herrenmannschaft nahm der BBSV am Louis-Braille-Cup Teil, der in diesem Jahr in Borgsdorf/Oranienburg ausgespielt wurde. Während die Herren mit Platz vier nach Hause zurückkehrten, nutzten die Berliner Damen, die zur Deutschen Meisterschaft 2008 in einer Spielgemeinschaft mit Langenhagen an den Start gehen werden, dieses Tournier als ersten Test. Dieser viel durchaus zufriedenstellend aus, konnte das Team im Männerfeld ihre Frau stehen und immerhin zwei Siege einfahren. Dies reichte in der Endabrechnung zu Platz 6 von 8 teilnehmenden Mannschaften.

7-6-Stundenlauf in Troisdorf

11.11.2007: Bei ihrem zweiten Start am 7-6-Stundenlauf von Troisdorf - einer Laufveranstaltung, bei der es darum geht, mmöglichst viele km innerhalb der gegebenen Zeit zurückzulegen - konnte Regina Vollbrecht ihre Leistung um 2,5 km steigern. Insgesamt erlief sie 65,347 km, womit sie 7. in der Frauengesamtwertung wurde und ihrer Altersklasse gewann.

Deutsche Nationalmannschaft spielt bei der Europameisterschaft im Blindenfußball Ende September 2007 in Griechenland

Im Jahr 1 nach der WM kämpft erneut eine deutsche Nationalmannschaft um einen internationalen Fußball-Titel

von Reiner Delgado

Seit der Einführung von Blindenfußball in Deutschland durch den DBSV und weitere Partner vor einem Jahr in Berlin hat sich viel getan. Über 100 blinde und sehbehinderte Fußballer trainieren deutschlandweit an zehn Orten, und auch der Deutsche Behindertensportverband hat sich dieses spannenden Sports inzwischen angenommen. Eine Nationalmannschaft ist aufgestellt und mit Ulrich Pfisterer (Stuttgart) und Peter Schreiner (Essen) sind erfahrene Mannschaftsleiter im Gespräch. Blindenfußball wird von vier blinden Feldspielern, einem sehenden Torwart sowie einem Rufer hinter dem gegnerischen Tor und dem Trainer am Spielfeldrand, die den Spielern Orientierung geben, bestritten. Von den acht bisher nominierten blinden Sportlern sind Alexander Fangmann und Gerd Franzka Männer der ersten Stunde vom DBSV-Workshop im Mai 2006. Sollte es den Neulingen auf internationalem Parkett gelingen, die Silbermedaille zu erkämpfen, hätten sie sich damit für die Paralympics im nächsten Jahr in Peking qualifiziert.

Inoffizieller Weltrekord bei den Deutschen Internationalen Leichtathletikmeisterschaften

Am Wochenende vom 20.-22.07. fand die 29. Int. DM der Leichtathletik in Singen / BAD statt. Hier lief Regina Vollbrecht mit 19,56,1 Min. neue deutsche Bestzeit über 5.000 m, womit sie den bestehenden Weltrekord um 9 Sekunden verbesserte. Dass ihre Leistung nicht als neuer Weltrekord anerkannt werden konnte lag daran, dass sie als einzige Frau im Männerfeld mit lief, da keine weiteren blinden Läuferinnen am Start waren - dennoch herzlichen Glückwunsch.

Blindschleichen bei der TEAM-Staffel

Am 20. und 21.06.2007 fand die 8. Berliner 5 x 5 km TEAM-Staffel im Tiergarten statt. Wir belegten unter dem namen „Blindschleichen“ den 215. Platz von 287 Vereinsstaffeln in einer Zeit von 2.24,17 h. Damit erreichten wir in der Gesamtwertung den 2209. Platz von 2904 Staffeln, die im Ziel ankamen.

Blindenfußballturnier: Pokalendspiel in Neumünster

Am 26. Mai gegen 18.00 Uhr spielten Stuttgart und Marburg das Endspiel um den Pokal im ersten deutschen Blindenfußballturnier.

In der Endrundengruppe der ersten drei war der Sieg hart umkämpft. Im Blindenfußball darf man sich keine Blöße geben. Die Abwehrspieler nahmen das Tor in Schutz, und so endete das Spiel 0:0. Damit waren Marburg und Mainz die beiden Gruppenersten. Alle drei hatten gegeneinander unentschieden gespielt. Marburg und Mainz aber spielten 1:1. Unter ihnen wurde der Sieg mit Penaltischießen ermittelt. Marburg gewann 3:2 und durfte den Pokal von Neumünster mit nach Hause nehmen. Ein Wanderpokal übrigens, den es also bald wieder zu verteidigen gilt.

Der Lionsclub Neumünster organisierte ein Turnier mit über 100 Jugendmannschaften. Dann kam die Idee auf, zusammen mit der Blindenfußballabteilung des FC St. Pauli gleichzeitig auch Mannschaften von blinden Kickern einzuladen. "Lightkick" hieß das Event zugunsten blinder Kinder im Kongo.

Neun Teams aus den zehn deutschen Trainingsorten kamen nach Norddeutschland. In den Vorrundenspielen zeichneten sich die Turnierfavoriten Marburg, Mainz und Stuttgart ab. "Ich bin stolz auf euch" sagte der lachende Marburger Trainer Peter Gößmann nach dem 6-Meter-Schießen. "Unsere Trainingseinheiten haben sich gelohnt, aber wir müssen noch viel an uns arbeiten". Im Mittelfeld kämpften Dortmund, Essen und St. Pauli um die Platzierungen während Würzburg, Chemnitz und Berlin die hinteren Plätze unter sich ausmachten.

Die Spiele waren durch enormen Einsatz und Kampfgeist geprägt. Während alle Spielerinnen und Spieler schon gut mit dem rasselnden Ball zurecht kamen, zeigten sich auch wirkliche Talente, die es sicher auch mit der internationalen Konkurrenz schon aufnehmen können, die sich Ende September in Athen zur Europameisterschaft versammelt.

Genau ein Jahr nach dem Workshop und Turnier, mit dem Sozialverband Deutschland und DBSV Blindenfußball in Deutschland einführten, zeigten die blinden und sehbehinderten Sportler, dass ihr Fußball den Kinderschuhen bereits entwachsen ist. "Einfach weltklasse und wiederholenswert", jubelte Christian Draheim, der mit 27 Jahren älteste Spieler des sonst sehr jungen Marburger Teams.

Der DBSV wird nun weiter mit dem Deutschen Behindertensportverband daran arbeiten, dass die blinden Kicker bald zum Alltag der Behindertensportszene gehören. Maßnahmen zur Aufstellung einer Nationalmannschaft sind in Vorbereitung: Ein Cheftrainer wird bald ausgewählt und ein erster Leistungslehrgang ist geplant. Die deutschen Kicker sind jedenfalls schon ganz heiß auf die Europameisterschaft Ende September in Athen, bei der auch die ein bis zwei europäischen Teilnehmer an den Paralympics 2008 in Peking ermittelt werden. Die Aufgabe des DBSV wird es auch sein, den Frauenfußball weiter voranzubringen und auch für Sehbehinderte zu sprechen, die beim Blindenfußball mitspielen.

Blindenfußball wird zurzeit an zehn Orten in Deutschland trainiert. Eine Übersicht ist unter www.blindenfussball.net oder beim DBSV-Sozialreferenten Reiner Delgado erhältlich.

Und hier noch ein persönliches Statement vom BBSV-Verteidiger Reiner Delgado: "Die Aufregung vor dem ersten Spiel gegen Essen war groß bei uns allen. Das Spiel verlief aber doch relativ ruhig, und wir kassierten unglücklich ein Tor. Das sah gegen Stuttgart ganz anders aus. In meiner Position als zentraler Verteidiger war Alexander Fangmann mein direkter Kontrahend, vor dessen Schnelligkeit und Ballsicherheit ich wirklich den Hut ziehen muss. Mit 0:4 wurden wir denn auch in die Endrunde entlassen. Dort wollten wir gegen Würzburg und Chemnitz solider spielen und vor allem die Abwehr stabil halten. Gegen Chemnitz hatten wir gute Chancen. Wir trennten uns aber alle drei mit je 0:0, und wir Berliner Zecken landeten aufgrund der Vorrundenergebnisse auf dem letzten Platz. Das ganze Turnier war eine Supererfahrung. Wir haben alte Bekannte aus dem letzten Jahr wiedergesehen und neue kennengelernt. Vor allem haben wir viel gelernt, dass wir in unserem Training einbauen werden."  

Regina Vollbrecht: Weiterer Rekord

Mit 11 Min. und 47 Sekunden lief Regina Vollbrecht bei den Leichtathletik-Landesmeisterschaften in Königs Wusterhausen am 05.05.2007 neue deutsche Bestzeit über 3.000 Meter.

Neuer Weltrekord im Marathon

Beim Conergy-Marathon in Hamburg am 29.4.2007 unterbot Regina Vollbrecht zum dritten Mal ihren eigenen Weltrekord (3:21:53 Stunden) und schraubte die Bestmarke auf 3:18:15 Stunden hoch.

Jahreshauptversammlung

Am 23. März 2007 fand in diesem Jahr die jährliche Hauptversammlung des BBSV statt. Darüber hinaus, dass sich die Mitglieder über die finanziell gesunde Situation und die sportlich stabile Lage des Vereins einen Überblick verschaffen konnten, hat es bei der Neuwahl des Vorstandes Veränderungen gegeben (zur Zusammensetzung des neu gewählten Vorstandes siehe hier).

Dabei wurde das langjährige Vorstandsmitglied Gisela Rathenow, die sich nicht zur Wiederwahl stellte, aus dem Vorstand verabschiedet.

Leichtathletik

Am 10. März 2007 fanden die Deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtatletik in Leverkusen statt. Deutsche Meisterin Im 3.000-Meter-Lauf wurde Regina Vollbrecht mit persönlicher Bestzeit von 11.49,26 Min.


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