Berliner Blinden- und Sehbehindertensportverein von 1928 e.V.

Grafik: Logo der TandemgruppeVon Land und Leuten nichts gesehen

Ein Bericht von Regina Vollbrecht

2000/2001 - Mit dem Tandem auf Hochzeitsreise in Neuseeland

Neuseeland besteht aus zwei Hauptinseln, der Nord- und der Süd- Insel und mehreren Nebeninseln, die sich im tropischen oder subarktischen Klima befinden. Von der Nordspitze bis zur Südspitze misst das Land eine Länge von 1600 km. In Neuseeland leben 3,8 Mill. Einwohner. Nicht zu vergessen das 1 Mill. der gesamten Bevölkerung allein im Großraum Auckland lebt. Dies entspricht einer Bevölkerungsdichte von 13,7 Einwohner pro qkm und zeigte zugleich die dünne Besiedlung des Landes. Im Vergleich dazu leben in Deutschland 227 und in Australien 2,2 Einwohner pro qkm. Neuseeland, das Land in dem mehr Schafe und Kühe als Einwohner leben. Auf den großen Weideflächen Neuseelands leben etwa 48 Mill. Schafe und 8 Mill. Rinder. 50% der Landesfläche werden als Weideland genutzt.

Warum sollte uns die Reise gerade nach Neuseeland führen?

Ganz ursprünglich wollten wir unsere Hochzeitsreise in Australien verbringen. Da es dann mit der Fahrkarte zu den Paralympix leider nicht ganz so geklappt hat, überdachten wir unser Vorhaben nochmals. Klar war, dass wir in unserem Urlaub überwiegend zelten wollten. Das hätte aber aufgrund der teilweise gefährlichen Tierwelt wie giftige Schlangen u.a. schwierig werden können. Außerdem sind zwischen den jeweiligen Sehenswürdigkeiten bzw. Attraktionen weite Entfernungen zurück- zulegen, was für uns als Radler nicht unwesentlich ist. Da mein Verlobter Harald zuvor schon einmal mit dem Fahrrad in Neuseeland unterwegs war, wußte er, dass dies für uns auch möglich sein würde. Also auf nach Neuseeland.

Am 22. Dezember 2000 war es dann endlich so weit. Mit ca. 50 kg Gepäck, unser Tandem und die gesamte Campingausrüstung mit ein- geschlossen, flogen wir von Berlin nach Auckland. Nach 30 Stunden Flugzeit, mit Zwischenstopp in Frankfurt, Los Angeles und den Fiji Inseln, landeten wir etwas übermüdet aber zufrieden am 24. Dezember bei sonnigem Wetter in Auckland. Am Flughafen gab es für uns gleich eine Menge zu tun. Das Tandem musste zusammen gebaut und das gesamte Gepäck am Fahrrad verstaut werden. Anschließend noch ein Gang zur Post. Bei der Post schickten wir ein Paket mit Ersatzteilen für das Tandem, die wir während der Reise benötigen würden, zu Freunden nach Christchurch. Der Angestellte der Post staunte nicht schlecht als wir 100 Briefe nach Deutschland schicken wollten, obwohl wir doch gerade erst in Neuseeland angekommen waren. Schließlich wollten wir unseren Familien und Freunden doch unser Vorhaben, in Neuseeland zu heiraten, mitteilen.

Die Weihnachtsfeiertage verbrachten wir mit ausführlichen Strandspaziergängen und der Besichtigigung einiger Sehenswürdigkeiten von Auckland. Am 27. Dezember starteten wir dann mit unserem Tandem an der Ostküste entlang nach Norden. Auf unserer ersten Etappe hatte ich gleich ein wunderschönes Erlebnis. In Warkworth angekommen, hatten wir zwar die Schafshow ver Passt, aber dafür konnte ich nicht nur verschiedene Schafrassen anfassen und füttern, sondern ich durfte auch ein 3-Tage altes Lamm auf den Schoß nehmen.

Schon in den ersten Tagen des Radfahrens zeigte sich, das der nördliche Teil von Auckland nur etwas für trainierte Radler ist. Es gab wirklich nur zwei Straßenzustände, entweder "up" (rauf) oder "down" (runter). Die Tandemfahrer unter Euch wissen wie schwer es ist in einem hügeligem Gebiet Tagesetappen von 80 bis 120 km mit einem Schnitt von 15 km pro stunde zu radeln. Und anschließend mit einem Gefühl vom Rad zu steigen als hätte man in flacherem Gebiet 160 km zurück gelegt. Nach 220 km kamen wir in Whangarei, einem kleinen Städtchen an der Ostküste an. Bevor wir am nächsten Morgen starteten, wollten wir dem Standesamt noch einen Besuch abstatten, um noch einige Formalitäten für unsere Heirat zu klären. Pech gehabt!, denn wenn man dies an einem Sonnabendmorgen versucht steht man eben vor verschlossenen Türen. Ein voller Erfolg war dagegen die Be- sichtigung der Whangarei-Waterfalls. Für mich war es der erste Wasserfall und da es zuvor 16 Stunden lang geregnet hatte, konnte ich den Wasserfall auch gut hören. Den Silvesterabend verbrachten wir auch auf einem Campingplatz. Manche von Euch denken jetzt vielleicht das es sehr kompliziert ist als blinde Person zu zelten. Es ist nämlich alles nur eine Frage der Organisation. Während Harald für das aufbauen des Zeltes zuständig war, so übernahm ich das einräumen des Zeltes. In den Gemeinschaftsküchen der Campingplätze war ich z.B. für das Gemüse putzen und er für das Kochen verantwortlich. Das Campen in Neuseeland ist sehr angenehm, denn fast alle Campingplätze sind mit Wäschetrocknern, Waschmaschinen und Aufenthaltsräumen ausgestattet. Sehr amüsant war, dass wir den Neujahrsbeginn gleich dreimal erleben konnten, denn die Uhren der einzelnen Partygruppen "tickten nicht ganz richtig". Nach 6 Tagen in denen wir insgesamt 440 Rad-Kilomter in den Beinen hatten, legten wir einen Ruhetag ein. Wir unternahmen eine Segeltour auf dem Pazifik mit der "Snow Cloud", einem vom Skipper selbst gebautem weißem Holzsegelboot. Auf dem Hinweg durfte ich für ca. 1 Stunde das Boot steuern, natürlich mit Hilfe des Skippers oder seiner Frau die mir die Richtung ansagten. Nach dem Mittagessen setzten wir mit dem Beiboot zu den Cavalli Islands über, wo wir einen mit Kakteen und Gräsern wild bewachsenen Hügel erkletterten. Auf dem Rückweg sahen wir dann Delphine. Für mich war es die erste Begegnung mit diesen Tieren und ich war ganz fasziniert. Ich konnte das Schnaufen dieser großen Tiere hören und wir wurden durch das Aufschlagen der Schwanzfloße eines der Tiere naß gespritzt. Am nächsten Tag auf dem Weg nach Pukenui, der nördlichsten Stadt Neueseelands, stoppten wir in einem Museum. Hier konnte ich neben unterschiedlichen Instrumenten: wie Klaviere, Harmonien u.a, auch ausgestopfte Tiere anfassen. Die für mich interessantesten Tiere waren dabei das Opossum und der Kiwi. Das Opossum kann ein Maximalgewicht bis zu 8 kg erreichen und besitzt ein katzenähnliches Aussehen mit spitzer Schnauze und sehr weichem dichtem Fell. Wenn man sie schon als blinde Person in freier Wildbahn nicht sehen kann, dann kann man sie aber riechen. Zu tausenden werden sie auf der Straße überfahren. Der Kiwi ist ein nachtaktiver, flugunfähiger Vogel mit einem sehr langem Schnabel. Das Federkleid ist sehr hart und es fühlt sich an, als ob diese Tiere ein hartes Fell besitzen. Dies liegt daran das die Tiere sehr kleine Federn haben, die ein sehr dichtes Federkleid bilden. Ich durfte alle Museumsgegenstände ganz selbstverständlich anfassen. Dieser lockere Umgang zeigte sich auch bei späteren Besichtigungen aller Art. Nach weiteren insgesamt 400 km erreichten wir Cape Reinga, das erste Ziel unserer Reise. Cape Reinga ist der nördlichste Punkt Neuseelands, an dem der Pazifik und die Tasman See zusammen fließen. Obwohl es die meiste Zeit im Jahr dort sehr regnerisch und stürmisch ist, hatten wir hingegen großes Glück, denn wir erlebten das Cape bei schönstem Sonnenschein. Da das Cape ein Ziel für viele Touristen ist, gestalteten sich die 20 km auf der Schotterpiste des Hin- bzw. Rückweges als schwierig. Auf dem Hinweg überholten uns in einer Stunde ca. 15 Reisebuse, die meistens viel zu eng und schnell an uns vorbei fuhren. Deshalb mussten wir eine gehörige Menge Staub schlucken. Die Landschaft der Ostküste des Nordens ist sehr hügelig und teilweise hatten wir einen weiten Blick auf das Meer mit seinen Buchten. Im nördlicherem Teil wechselten sich Wald und Weide- landschaften ab. Auffallend bei der Weidefläche ist, das im Norden Neuseelands die Rinderzucht überwiegt. Leider war der Pohutukawa, auch Chrismas Tree genannt, schon fast verblüht. Dieser Baum wächst vor allem im äußersten Norden und erreicht eine Höhe von 20 m. Im Dezember trägt er scharlachrote Blüten, die sehr schön anzusehen sind. Diese Blüten haben eine kugelförmige Form und sind sehr weich. Von der Nordspitze zurück fuhren wir an der Westküste, der Tasman See entlang. Einer der sehenswerten Punkte der Westküste ist der 90-Mile-Beach. Dies ist ein sehr breiter Sandstrand, der nicht nur zu einem Bad in der Tasman See einlädt, sondern auch von Reisebussen, Fahrrädern u.a. Fahrzeugen befahren werden darf. Nach meinem ersten Bad in der Tasman See hatte ich dort noch ein besonderes Erlebnis, denn ich konnte einen gestrandeten Hai anfassen. Dieser Hai war ein kleines Exemplar von 1 m Länge mit rauher Haut, die sich anfühlte wie feines Sandpapier. Dies lag sicherlich daran, dass dieses Tier schon ein paar Stunden am Strand lag und vom Wind getrocknet und mit Sand bestreut war. Nach ca. 270 Rad-km von Cape Reinga ausgesehen, besichtigten wir den Kauri Forest. Kauri Bäume sind sehr langsam wachsende Nadelgewächse die heute nur noch in Neuseeland und im nord-östlichen Teil Australiens vorkommen. In Neuseeland sind sie nur im Nordland und auf Coromandel zu finden. Früher wurden sie vor allem für den Bau von Schiffen, Hütten und Möbeln verwendet. Heute steht der Kauri, der eine Höhe von 30 m und einen Durch- messer von bis zu 5 m erreichen kann, unter Naturschutz. Ein Kauri kann 2000 Jahre alt werden. Auf extra angelegten Walkways können neben Moosen und Bergpalmen besondere Kauri Trees be- staunt werden. So z.B. die four-sisters: 4 im Wurzelwerk zusammen gewachsene Kauri Trees oder einem Tree mit einem Durchmesser von 5,22 m. Am nächsten Tag erreichten wir nach 85 km Matakohe, wo es ein Kauri-Museum gibt. Hier konnte ich u.a. unterschiedliche Möbel- stücke aus Kauriholz bewundern z.B. Truhen und Schränke. Nach weiteren 300 km kamen wir wieder in Auckland an. Wir besuchten dort neuseeländische Bekannte, die wir auf einem Campingplatz kennen gelernt hatten, und verbrachten einen gemütlichen Abend bei einem neuseeländischem Essen. Unsere nächste Tagesetappe von 80 km radelten wir komplett im Regen. Das war auf der bisherigen Reise der erste Regentag. Da die Temperaturen warm waren, war der Regen kein ernsthaftes Problem für uns. Trotzdem genossen wir das Bad im Hot-Water- Pool, den es am Campingplatz gab. Diese Pools gibt es aus- schließlich nur auf der Nord-Insel. Es sind meistens künstlich angelegte Wasserbecken, wo Wasser aus einer heißen Quelle einströmt und mit kaltem Wasser vermischt wird. Das Wetter zuvor war sehr heiß mit teilweisen leichten Niederschlägen und ausgesprochen milden Abenden. Je mehr wir in südlichere Bereiche fuhren, um so kühler wurden die Abende. Am nächsten Tag fuhren wir 90 km nach Coromandel, einer der schönsten Halbinseln Neuseelands. In der Stadt Coromandel nahmen wir im Rahmen eines Sportevents an einem 10 km Lauf teil und unternahmen eine Fahrt mit der Schmalspurbahn. Ursprünglich wurde diese Bahn errichtet um Materialien wie Holz, Ton und Lehm aus den Bergen zur Töpferwerkstatt zu transportieren. Der Neuseeländer Brikel, der 1962 das Land gekauft und die Töpferwerkstatt aufgebaut hatte, versuchte 3 Grundsätze umzusetzen. Er wollte auf seinem Land Natur, Technik und Kunst vereinen. Auf der 3 km langen Strecke fuhren wir mit der Schmalspurbahn durch einen Wald der mit Kauri Bäumen aufgeforstet war und bekamen dabei getöpferte Tiere z.B. Löwen zu sehen. Die volle Schönheit der Halbinsel, aber auch wie anspruchsvoll sie ist, erfuhren wir bei einer Umrundung mit dem Fahrrad. Auf der Umrundung gab es schöne Buchten und weite steinige Strände zu sehen. Die Umrundung konnte man nur vollenden, wenn man entweder den Mountainbiketrack oder den Walkway benutzte. Da Harald den Mountainbike Track von seiner vorherigen Reise kannte und wusste dass wir ihn mit dem Tandem nicht befahren können, wählten wir den Walkway. Für mich war das auch schon Mountainbike genug. Es gab etliche Bäche und Rinnen zu durchqueren. Die Auf- und Abfahrten waren teilweise so steil und serpentinenartig, so dass wir schieben mussten. Schließlich durfte man keinen Fehler machen, denn der Abgrund war nie weit weg. Nach weiteren 60 km kamen wir an eine der traumhaftesten Strände für mich, den Hot-Water-Beach. Der Hot-Water-Beach ist ein Sandstrand unter dem eine heiße Quelle fließt. Mit einer Schaufel kann man sich einen Sandpool graben und das darin befindliche heiße Wasser mit kaltem Meereswasser mischen. Es war ein wunderschönes Gefühl beim Meeresrauschen in heißem Wasser zu liegen. Nach 220 km kamen wir nach Rotorua, einer Stadt über der schwefliger Geruch liegt. Wir besichtigten mehrere Geysire, dessen brodeln ich hören und dessen Dämpfe ich spüren konnte. Auf der Schafshow konnte ich verschiedene Schafrassen befühlen. Jeder dieser Rassen wurde vorgestellt und über Kopfhörer konnte man in der gewünschten Sprache den Erklärungen folgen. Die Arbeit der Hütehunde war zu sehen und als artistische Attraktion setzten sich die Hunde auf die liegenden Schafe. Von Rotorua aus gesehen fuhren wir, vorbei am Lake Taupo, 160 km nach Turangi. Von dort aus starteten wir mit einem Bus zu einer mittelschweren Gebirgswanderung, dem Tongariro- Crossing. Es ist eine der Wanderungen in Neuseeland, wo sich den Touristen eine vielseitige Landschaft bietet. Das bedeutete aber auch das noch viele andere Wanderer mit uns unterwegs waren und wir uns nicht aus der Ruhe bringen lassen durften. Auf dieser Wanderung hatten wir 2 besondere Erlebnisse. Zum einen konnten wir mit erleben wie "blind" doch manche Menschen an den Schönheiten der Natur vorüber gehen. Als Harald mir ein paar mossbewachsene Felsen zeigte, konnte er beobachten wie andere sehende Wanderer ebenso die Moose befühlten. Er konnte ihnen ansehen wie fasziniert sie von der Weichheit der Pflanzen waren. Von einer Quelle die ungefähr auf 1000 m Höhe lag ging es zu einem Sattel auf einem schmalen, steilen mit Geröll bedeckten Weg nach oben. Teilweise war der Weg so unwegsam und steil für mich, das Harald Passagen suchte, die es mir ermöglichten mich im "Vier-Füßler Gang" vorwärts zu bewegen. So konnte ich genau meinen nächsten Schritt ertasten und das abrutschen und daneben treten vermeiden. Wir dachten aber auch das andere Wanderer dies als Gelegenheit nutzen würden uns zu überholen. Statt dessen krabbelten sie uns im "Vier-Füßler Gang" hinter drein. Sie dachten wohl "das ist der sicherste Weg und wenn die Blinde das kann, dann kommen wir auch so hinauf". Oben kamen wir am Süd- krater an, der wie ein Stadion aussah. Von dort aus stiegen wir zu den Emerald Lakes hinab. Dies sind 3 kleine smaragdgrün schimmernde Seen mit einem Durchmesser von 15-50 Metern. Von dort aus folgte ein Anstieg zum roten Krater der auf einer Höhe von 1600 Höhenmetern lag. Oben war es ungemütlich, denn es wehte ein heftiger Wind und es flogen kleine Steinchen umher. Der Rückweg erforderte zwar keinen "Vier-Füßler-Gang", aber ein hohes Maß an Konzentration. Es waren unzählige Stufen mit unterschiedlicher Höhe und Abständen zu bewältigen. Bevor der einstündige Marsch durch den dicht bewachsenen Wald uns abwärts führte, kamen wir noch an einer heißen Quelle vorbei. Aufgrund der hohen Schwefel- konzentration lädt dieser Pool nicht zum Baden ein. Beim Bus angekommen, teilte der Busfahrer uns mit, dass ich seiner Meinung nach die erste Blinde bin die diese Wanderung bewältigt hat. Er konnte nur noch sagen "I'm very impresst.". Diese Wanderung war sehr schön und doch anstrengend zu gleich. Das wir an dieser Wanderung teilgenommen hatten half uns bei den Buchungen der anderen Touren sehr. Wenn wir mitteilten, dass wir den Tongariro Crossing gewandert sind, so war die Teilnahme an allen anderen Touren nie ein Problem.

Auf unserem Weg fuhren wir weiter durch die hügelige Landschaft der Nord-Insel. Wir fuhren durch einen besonders schönen Canon, an einem Fluss entlang. Das Tal war mit mannshohen Gräsern und dichtem Buschwerk bewachsen. Wenn man schon die Enge des Tals nicht sehen konnte, so konnte ich sie aber hören, indem ich rief. Nach ungefähr 230 km errichten wir Stratford. Von Strattford aus hatte Harald bei klarem Wetter einen guten Blick auf den Mount Egmont, einem Vulkankegel der 2518 m hoch ist. Nach weiteren 200 km erreichten wir Palmerston North. Von hier aus nahmen wir den Zug nach Wellington. Das Zug fahren in Neuseeland ist ein Erlebnis besonderer Art und ein "muss" für jeden Reisenden. Das Gepäck muss in einem Gepäckwagen abgegeben werden, was dazu führt das sich die Weiterfahrt an den Haltebahnhöfen durch das Ein- und ausladen des Gepäckes verzögert. Mit langsamer Geschwindigkeit (ungefähr 50 kmh) geht dann die Fahrt über das unebene Schienennetz, durch einige Tunnel und über unzählige Bahnschranken. Den Tag in Wellington, der südlichsten Stadt der Nord-Insel, verbrachten wir mit einem Bummel durch die Fußgängerzone, einer Besichtigung der Regierungsgebäude und einem Zoobesuch. Die besondere Attraktion im Wellingtoner Zoo ist das Kiwihaus. Durch künstlichen LichteinFluss wird der Tag zur Nacht gemacht. Der Besucher erhält so die Möglichkeit diese nachtaktiven Vögel am Tage zu beobachten. Auch Fledermäuse konnten hier beobachtet werden. Das für mich interessansteste Tier in diesem Zoo war ein Fischotter.Ich konnte hören wie er auftauchte und an Land ging.

Nach einer 3-stündigen Überfahrt von Wellington nach Picton, radelten wir ca. 30 km nach Anakiwa, einem kleinem Dorf am Queen Charlotte Sound. Sound ist die Bezeichnung für Fjord. Von dort aus unternahmen wir eine ein-tägige Paddel-Tour auf dem Fiord Diese Tour war nicht nur wegen des guten Wetters und der schönen Landschaft so interessant, sondern auch da mir der Guide ver- suchte so viele Tiere und Pflanzen wie nur möglich zum Fühlen zu geben. So konnte ich auf dem Queen Charlotte-Track unterschiedlich Pflanzen wie Moose, Farne, Palmen u.a. erkunden. Der Ponga oder auch Silberfarn genannt, ist das nationale Pflanzensymbol der Neuseeländer. Er erreicht eine Höhe bis zu 10 m. Die Wedel sind auf der Oberseite matt grün und auf der Unterseite weiß. Auf dem Rückweg hatte ich sogar die Gelegenheit einen lebendigen Seestern in die Hand zu nehmen.

Von Anakiwa bis Nelson hatten wir 90 km zu radeln. Da wir noch einige Formalitäten wegen unserer Heirat im Nelsoner Courthouse (Rathaus) erledigen wollten, legten wir den ersten Teil dieser Etappe nach unserer Paddel-Tour zurück. Leider konnten wir unser Vorhaben nicht umsetzen, denn der besagte Montag war ein Feiertag. Der Reiseführer kommentiert die Feiertagsregelungen wie folgt:"Wenn ein Feiertag zwischen einen Freitag oder einen Sonntag fällt, dann ist der folgende Montag ein Feiertag. Wenn er zwischen einen Dienstag oder einen Donnerstag fällt, dann ist der vorher gehende Montag ein Feiertag."

Ursprünglich hatten wir nämlich geplant nach der 3-tägigen Wanderung zu heiraten, denn die Anmeldung für eine Heirat muss 3 Werktage ruhen. Für uns als Reiseradler war es nämlich gar nicht so einfach einen geeigneten Termin und Ort fest zu legen, da wir ja selten länger als zwei Tage an einem Ort waren. Von Nelson aus starteten wir zur 3-tägigen Abel Tasman Wanderung. Nach einer 3-stündigen Busfahrt begaben wir uns auf die 48 km lange Strecke. Die sehr schmalen Wege führten uns durch urwald- artig bewachsene Gebiete, entlang der Küste von einer Traumbucht zur anderen mit vielen "up" and "downs" dazwischen. Nicht nur die schmalen Wege, sondern auch die unzähligen Wasserrinnen, die den Weg querten und in die ich unweigerlich des öfteren tappte, waren nicht ganz einfach für mich zu bewältigen. Vor Reiseantritt hatte Harald Wanderstäbe angefertigt, die wir nur auf schmalen ebenen Wegen benutzen konnten. Diese Stäbe sind aus Carbon und ca. 1,50 m lang. An jedem Ende befindet sich eine Schlaufe, wo man mit der Hand hinein greifen kann. Am ersten Tag unserer Wanderung legten wir mit unserem Gepäck einschließlich der Verpflegung und dem Zelt, auf dem Rücken 24 km zurück. Dies war notwendig, denn auf dieser Wanderung musste man Ebbe und Flut berücksichtigen. Die beiden folgenden Tage waren deshalb um so ruhiger.

Bevor wir aus Nelson aufbrachen suchten wir nochmals das Courthouse auf um die Formalitäten für unsere Heirat zu organisieren. Dies war sehr unbürokratisch wie wir feststellten. In einem Formular wurden persönliche Angaben festgehalten. Mit seiner Unterschrift musste jeder von uns bestätigen, dass wir nicht verheiratet sind und es auch nie zuvor waren. Sollte diese Angabe nicht der Wahrheit entsprechen, so wird die Ehe für ungültig erklärt. Von Nelson aus benötigten wir 3 Tage um die 330 km lange Strecke bis Kaikura zurück zu legen. Da wir nun in einer sehr heißen Gegend radelten, waren viele breite Flüsse zu kleinen Bächen ausgetrocknet und unzählige Hänge verbrannt. Kurz vor Kaikura erlebte ich die ersten neuseeländischen Pelzrobben. Diese Tiere können eine Länge bis zu 2 m und ein Körpergewicht bis 140 kg erreichen. Da sie früher wegen ihrer schönen Pelze gejagd wurden, stehen sie heute unter Naturschutz. Hunderte von Tieren lagen dösend an der steilen Felsküste in der Sonne. Ich konnte hören wie sich die Tiere gelegentlich am Strand bewegten und schnauften. Kaikura ist ein sehr beliebter und geeigneter Ort um Delphine, neuseeländische Pelzrobben und Wale zu erleben, denn das Wasser an der Ostküste ist sehr tief und somit sehr nährstoffreich. Wir waren beim Dolphin- und Whalewotching. Natürlich hätte man auch mit den Delphinen schwimmen können, aber da sich die Tiere eher für die Bugwellen des Bootes als für die Schwimmer interessierten, hätte ich nichts davon gehabt. So konnte ich vom Boot aus das Springen, Atmen und Auf- und Abtauchen der Dusky Delphine gut hören. Ich war absolut begeistert die Tiere so erleben zu können. Die Dusky Delphine können eine Länge von 1,6 m bis über 2 m erreichen. Sie sind bekannt für ihren extrem verspielten Charakter. Weniger begeistert war ich von den Pottwalen, denn von ihrem Abtauchen hörte ich fast nichts. Diese Tiere können ein beachtliches Körpergewicht von 35 bis 50 Tonnen und eine Länge bis zu 20 m erreichen.

Von Kaikura aus starteten wir in das 320 km entfernt, an der Westküste gelegene Städtchen, Westport. Der Weg führte uns über den 985 Meter hohen Lewis Pass. Der Lewis Pass ist ein Pass dessen Straße sich nicht Serpentinenartig nach oben windet. Die Straße führt über mehrere "up" and "downs" nach oben. Westport war der von uns erwählte Ort für unsere Hochzeit. Die Trauzeugen während unserer 15 minütigen Zeromonie waren zwei Büroangestellte, wobei eine von ihnen im Polizeibüro tätig war. Den Abend ließen wir in einem Restaurant mit angemessenem Ambiente ausklingen. Auf dem Campingplatz in Westport fütterte ich eine Wekaralle. Das Muttertier nahm mir das Brot aus der Hand und brachte es ihren großen Kücken. Die Wekaralle ist ein flugunfähiger, huhngroßer Vogel.

Von Westport aus, 130 km in nördlicher Richtung, besichtigten wir die Honeycomb Caves. Diese Höhle wurde erst vor 20 Jahren entdeckt. In der Honeycomb Cave sind Knochen des Kleinen-, des Schlanken- und des Riesenmoas zu sehen. Dieser ausgestorbene Vogel hatte ein Aussehen wie ein überdimensional großer Strauß und konnte eine Höhe von 4 m erreichen. Auf dieser Höhlen- wanderung konnte ich neben Stalagniten, Stalagnaten und Stalagtiten auch einige dieser Moaknochen von beeindruckender Größe anfassen. Nach ca. 100 km in südlicher Richtung von Westport aus gesehen gelangt man nach Shantytown, einer nachgebauten Goldgräber Stadt. In dieser Museums-Stadt gibt es unterschiedliche Gebäude und Geschäfte zu besichtigen: eine Post, ein Schuhgeschäft, ein Depot für Kutschen, eine Bank einen Friseursalon u.a. Natürlich gehörte für mich bei solch einer Stadtbesichtigung auch einmal Gold waschen dazu.

Der Bereich der Westküste ist als eines der regenreichsten Gebiete der Welt bekannt. An den Küstengebirgen regnen sich die Wolken ab, so das dort jährlich eine Niederschlagsmenge von 9 m fällt. Dies ist etwa 10 mal so viel wie in Deutschland. Doch wir hatten Glück. An keinem der drei Tage wo wir die Westküste passierten regnete es. Das Gebiet der Westküste wird kaum noch landwirtschaftlich genutzt. Statt dessen gibt es, mit dem Blick kaum zu durchdringende urwaldartige Gebiete, zu sehen. Von Shantytown folgten wir 180 km der Westküste bis zum Franz- Josef-Gletscher. Unter sachkundiger Führung mit Steigeisen ausgerüstet begaben wir uns auf die Gletscherwanderung. In den Weg waren kleine Stufen in das Eis geschlagen und an manchen Stellen gab es auch ein Seil das als Geländer diente, so das diese Wanderung für mich auch als Blinde kein Problem war. Dieser Gletscher legt durchschnittlich 1,5 m pro Tag zurück. Somit bewegen sich die Gletscher dieser Region schneller, als die Gletscher der Schweizer Alpen. Festgestellt wurde dies anhand eines Flugzeugabsturzes von 1943 auf dem Franz-Josef- Gletscher. Vom Franz-Josef-Gletscher fuhren wir, am Fox-Gletscher vorbei, und verließen nach weiteren 200 km die Westküste über den Haast Pass. Vom Haast Pass aus radelten wir über den Cardrona Sattel mit einer Höhe von 1100 Metern in das 160 km entfernt gelegene Queenstown. Queenstown ist bekannt als das Mekka für alle nur denkbaren Fun Sportarten wie z.B.: Zorbing, Fallschirmspringen, Bungy Jumping, Jet-Boot fahren, Snowmobiling u.a. Wer kein Freund von den genannten Sportarten ist, dem sei aber ein abendlicher Stadtbummel wärmstens zu empfehlen. Von Queenstown aus ging es mit einem etwa 100 Jahre alten Dampfschiff "MS Earnslaw" über den Lake Wakatipu zur Walther Peak Station Farm. Auf dieser Überfahrt durfte ich nicht nur den Steuerstand besichtigen, sondern auch für kurze Zeit das Schiff steuern und die Schiffshupe betätigen. Von hier aus führte uns eine 80 km lange Schotterpiste durch das Farmland. So war es für mich ein schönes Erlebniss durch eine Schafherde von ca. 500 Tieren hindurch zu fahren. Unsere weitere Reise führte uns über Te Anau zum Milford Sound. Der Ort Milford ist "die schönste Sackgaße der Welt" und liegt 120 km von Te Aanau entfernt. Der Milford Sound ist einer der bekanntesten und bei den Touristen beliebtesten Fjorde Neuseelands. So überholten uns auf dem Weg nach Milford in der Zeit von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr doch immerhin 45 Reisebusse. Hunderte von Touristen wollen den Fjord bei Tag erleben. Wir dagegen entschieden uns den Fjord mit einem Passagierschiff bei Nacht zu erleben. Von Bord aus konnten wir dann auf dem sehr ruhigen Wasser des 22 km langen Fiordes eine 1-stündige Seekajak Tour unternehmen. Da nur Einer zur Verfügung standen durfte ich mit absoluter Selbst- verständlichkeit auch alleine paddeln. Da diese Boote sehr breit und kurz sind haben sie ein sicheres Fahrverhalten. Für mich war es, für einen kurzen Moment, ein wunderschönes Gefühl frei paddeln zu können. Andererseits war es aber auch schwierig das Boot in der richtigen Richtung zu halten, denn es war sehr extrem wendig. Außerdem merkt man ja als Blinder auch nicht wie weit man sich schon wieder ungewollt gedreht hat. Später beim Abendessen teilte mir dann eine deutsche Mitreisende mit, dass sie zuvor noch nie gepaddelt ist, aber sich durch mich dazu ermutigt gefühlt hatte. Nach einer sehr ruhigen Nacht erwachten wir an einem verregneten Morgen. Milford steht Synonym für den Regen und so war der Regen an diesem Morgen nicht ungewöhnlich für diese Gegend. Durch den starken Regen kamen wir in den Genuss nicht nur neuseeländische Pelzrobben, sondern auch tosende Wasserfälle vom Schiff aus erblicken bzw. hören zu können. Auf dem Rückweg von Milford nach Te Anau trafen wir auf den wohl lustigesten Gesellen der Vogelwelt, dem Kea. Dieser Bergpapagei liebt es sich mit schelmischer Stimme auf Fahrradsättel, Packtaschen, Autoantennen, Gummierungen von Autofenstern u.a. zu stürtzen. Sein Federkleid ist grün mit einer Schimmer ins bräunliche. Wenn er sich in die Lüfte erhebt, so sind die Unterseiten seiner Flügel leuchtendrot. Unser nächstes Ziel war eine Paddeltour auf dem Doubtful-Sound. 1770 wurde der Doubtful Sound von Kapitän Cook entdeckt. Doubtful bedeutet "voller Zweifel", denn die hatte Cook auch. Zum einen schien das Gebiet um den Fjord unüberwindbar. Zum anderen fürchtete er das die Winde nicht stark genug wären, um sein Schiff wieder aus dem Fjord heraus zu bringen. Jahre später konnten nur fest entschlossene Wanderer zum Fjord vordringen. 1959 wurde die erste und einzigste Straße, die zum Doubtful Sound führt, gebaut. Sie führt vom Westarm des Lake Manapuri über den Wilmot Pass zum Doubtful Sound. Diese Straße ist mit keiner anderen verbunden. Der Doubtful Sound ist weit aus größer und nicht so beliebt bei den Touristen, wie der Milford Sound. Wir fuhren von Te Anau aus in das 25 km entfernte Städtchen Mana- puri und überquerten den Lake Manapuri mit einem Boot. Auf der anderen Seite angekommen brachte ein Kleinbus unsere neun-köpfige Reisegruppe auf der einzigsten Schotterpiste zum Doubtful Sound. Auf dem Doubtful Sound zu paddeln, die Natur zu erleben und die absolute Ruhe zu genießen ist etwas unbeschreiblich schönes gewesen. Das einzig unerfreuliche waren die Sandflys die das Zelt aufbauen oder baden im Fjord unerträglich machten. Die Sandflys sind kleine schwarze Fliegen deren Bisse einen sehr starken Juckreiz auslösen. Am Abend konnten wir sogar die seltenen Rufe der Kiwis und der Wekarallen vernehmen.

Am nächsten Morgen zogen an unseren Booten die kleinsten Delphine vorbei. Die Hektor Delphine können eine Größe von 1,50 m er- reichen und leben nur an den Küsten Neuseelands. Gegen Ende dieser Paddeltour wurde ich fast seekrank, denn uns erwischten über 1 m hohe Wellen die vom Meer kamen. Als wir die 230 km auf dem Weg von Te Anau nach Bluff zurück legten, erwischte uns Nachts im Zelt sogar der Frost, obwohl wir tagsüber Temperaturen von 20-25 Grad hatten. Von Bluff dem südlichsten Punkt Neuseelands, fuhren wir mit dem Schiff zum 35 km entfernt liegenden Stewart Island. Auf Stewart Island unternahmen wir eine 2-tägige Wanderung. Dieser eigendlich 3- tägige Walk von 36 km führte uns an der Küste mit sehr stark wind zerzauster Vegetation entlang. Aber auch durch dicht begrünte Wälder, wo wir einer Vielzahl von Vogelstimmen lauschen konnten. Erstmalig sahen wir hier den Blackbird. Während die Männchen schwarz sind, so tragen die weiblichen Tiere ein braunes Federkleid. Da auf dieser Insel sehr viele Niederschläge fallen und der Boden dadurch sehr sumpfig ist, wurden hier 30 bis 40 cm "breite" Stege angelegt. Diese Stege waren ohne Geländer und mit unzähligen Stufen versehen. So manches mal verließ ich unfreiwillig den Steg. Auch auf dieser Wanderung wurde uns wieder einmal bewußt, das jede Wanderung eine andere Wandertechnik erfordert. So war es für mich am sichersten, wenn mein Mann vorweg ging und ich mich an dem großen Rucksack festhalten konnte. Eine sichere Wander- technik zu finden war wichtig, denn so manches mal führten die Stege 1 bis 2 m vom Boden entfernt, entlang. Die Stege wechselten sich mit matschigen und wurzeligen Bodenpassagen ab.

Von Bluff fuhren wir 113 km über Invercargill nach Curio Bay. In Invercargill entdeckte ein begeisterter Fotograf unser beladenes Tandem. Eine eher gelangweilte Reporterin einer regionalen Zeitung, führte dann mit uns ein Interview über unsere Hoch- zeitsreise mit dem Tandem durch Neuseeland. Die Curio Bay ist wohl die einzige Bucht weltweit, in der sich die Hektor Delphine den Schwimmern im seichten Wasser bis auf wenige cm nähern. Leider hielt ich es in dem kaltem und sehr welligem Wasser nicht lange genug aus. Entlang an der Küste radelten wir 200 km von der Curio Bay nach Dunedin. In der Nähe von Dunedin besuchten wir eine Albatross- und eine Gelb-Augen-Pinguin-Kolonie. Ich hatte die Möglichkeit einen ausgestopften Albatross mit seinem weichen Federkleid und einer Flügel Spannweite von über 3 m anzufassen. Während dieses Ausfluges konnten wir Zwerg- und Gelb-Augen Pinguine beobachten. Der Zwerg-Pinguin ist in allen Küstengebieten Neuseelands zu finden. Sein Gefieder ist auf dem Rücken blau und auf der Bauchseite weiß gefärbt. Für die Gelb- Augen-Pinguine ist kennzeichnend, dass sie einen gelben Streifen am Kopf und den Augen tragen. Wir konnten sie beobachten wie sie von ihrer täglichen Futtersuche ans Land zurückkehrten. Da der Wind ungünstig stand, konnte ich so gut wie gar nichts von diesen Tieren hören. Mehr Glück hatte ich dagegen bei einer Pelzrobbe. Wir näherten uns ihr bis auf einen Meter. Sie lag da, kratzte sich gemütlich und schnaufte sehr genüsslich dabei. Ich verharrte minutenlang und lauschte gebannt diesen faszinierenden Geräuschen.

90 km waren es von Dunedin bis Middlemarsch, wo ein Blinder mit seiner Frau einen Campingplatz betreibt. Von Middlemarsch bis Clyde führte eine ca. 170 km lange alte Bahntrasse, die als Radweg umgestaltet war. Diese Strecke mit dem Tandem zu befahren, war teilweise sehr schwierig, denn an vielen Wegpassagen wurde der alte Gleisschotter für die Wegbefestigung genutzt. Auch war man froh die veralteten Brücken heil passiert zu haben. Auf dem Weg von Clyde nach Tarras erwischte uns ein heftiger Wind. Oftmals hatte ich Angst das der Wind uns von der Straße abdrängen würde. Wohl behalten kamen wir in Tarras an und radelten über Lindis Pass mit einer Höhe von 965 m zum Mount Cook. Der Mount Cook ist mit einer Höhe von 3754 m der höchste Berg Neuseelands. Bei klarem und sonnigem Wetter hatte mein Mann das Glück diesen Berg in seiner vollen Schönheit sehen und fotografieren zu können. Vom Mount Cook radelten wir in 3 Tagesetappen die verblieben 370 km nach Christchurch. Die drei folgenden Tage nutzten wir in Christchurch um uns auf das Stadtleben vorzubereiten. Wir besuchten unsere koreanischen Freunde, kauften einige Geschenke für unsere Familien und Freunde ein und unternahmen eine kleine Mountainbike Tour an der Küste. Schließlich statteten wir der Deutschen Botschaft noch einen Besuch ab um unser "marriage certifikate" beglaubigen zu lassen. Noch ein kleiner Scherz am Rande: Der Botschafter meinte: "normalerweise kostet die Beglaubigung 20 dollar. Sie zahlen 10 Dollar und ich küsse ihre Braut." So geschah es dann auch. Bevor wir am 23.03. unseren Rückflug antraten, besuchten wir noch das Antarctic Centre. Hier konnte ich in aller Ruhe ausgestopfte Pinguine vom Gelb-Augen bis zum Königs-Pinguin betrachten.

Nach einem über 30-stündigem Flug landeten wir wieder im verschneitem Berlin. Das war für uns doch eine große Umstellung, wo wir doch in Christchurch bei ca. 25 Grad und schönstem Sonnenschein abflogen.

Obwohl ich von "Land und Leuten nichts gesehen" habe, so konnte ich doch eine unvergessliche Reise erleben. Neuseeland ist für mich das Land der unbegrenzten Urlaubsmöglichkeiten. Ein Land mit einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt und wo das Meer und die Berge aneinander grenzen. Das Land in dem die Menschen mir als Blinde mit solch einer Offenheit gegenüber traten, so wie ich sie mir für Deutschland auch wünschen würde.

Solltet Ihr liebe LeserInnen noch Fragen zu meinem Reisebericht haben, dann könnt Ihr Euch gerne an mich wenden.